Urheberrechtliche Schutzfähigkeit von Fotos gemeinfreier Werke

Gemäß § 72 UrhG genießen Lichtbilder und Erzeugnisse, die ähnlich wie Lichtbilder hergestellt werden, urheberrechtlichen Schutz. Mithin sind insbesondere Fotos urheberrechtlich geschützt. Doch gilt dies auch für Fotos, die von Bildern in Museen gemacht werden? Häufig genießen derartige Kunstwerke keinen urheberrechtlichen Schutz, da der Urheber bereits mehr als 70 Jahre tot ist. Insoweit wird auch gern von gemeinfreier Kunst gesprochen.

Um möglichst vielen Kunstinteressierten einfachen Zugang zu diesen Werken zu ermöglichen, bietet es sich natürlich an, eine Datenbank mit digitalen Duplikaten ins Netz zu stellen. So kann jeder unabhängig von Ort und Zeit in den Genuss von Kunst aus früheren Zeiten kommen. Aus rechtlicher Sicht kann man in diesem Zusammenhang auch auf die Informationsfreiheit verweisen.

Wenn jedoch auch Fotos von gemeinfreien Werken urheberrechtlichen Schutz genießen, könnte der Fotograf auch gegen eine derartige Nutzung vorgehen. Das LG Berlin sah in einem Urteil vom 31.05.2016 mit dem Aktenzeichen 15 O 428/15 in der Veröffentlichung derartiger Fotos tatsächlich eine Urheberrechtsverletzung. Dabei wurde von der Richtern betont, dass Fotos als Lichtbilder im Sinne des § 72 UrhG zu qualifizieren sind. Sie brauchen, um urheberrechtlich schutzfähig zu sein, keine Werkqualität aufzuweisen. Für die Schutzfähigkeit reicht es aus, wenn eine rein technische Leistung vorliegt.

Gleichwohl wird der Lichtbildschutz verneint, wenn lediglich eine Vervielfältigung anderer entstehen. Demgemäß könnten nun auch Fotos von Gemälden und anderen Kunstwerken als nicht schutzfähig angesehen werden. Dies hat das LG Berlin jedoch zu recht verneint.

Wer schon einmal versucht hat, ein Bild möglichst originalgetreu abzulichten, wird sehr schnell festgestellt haben, dass dies kein einfaches Unterfangen ist. Zum einen weist die Aufnahme durch eine nicht optimale Perspektive Verzerrungen auf. Nicht selten kommt es auch zu Spiegelungen. Am schwierigsten stellt sich jedoch die originalgetreue Wiedergaben der Farben dar. Das Zusammenspiel von Belichtung und Weißabgleich sollte nicht unterschätzt werden. Das LG Berlin spricht in diesem Zusammenhang von einer aufwendigen handwerklich-technischen Leistung.

Fazit:

Auch wenn ein einfacher und unkomplizierter Zugang zu Kunstwerken zu begrüßen ist, sollte dabei nicht die Leistung des Fotografen vergessen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn es ihm gelungen ist, detailreiche und originalgetreue Fotos zu erstellen. Natürlich steht es jedem frei, selbst gemeinfreie Kunstwerke zu fotografieren und diese im Internet zugänglich zu machen. Fremde Fotos zu verwenden ist jedoch keine Option.



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