Ebay will Nutzungsrechte für Fotos, Videos und Produktbeschreibungen

Die „Zusatzvereinbarung zum eBay Nutzungsvertrag“ hat es in sich: Damit will sich eBay von gewerblichen Verkäufern umfassende Nutzungsrechte an sog. Produktdaten sichern. Die Vereinbarung zielt dabei hauptsächlich auf Produktfotos, Videos und Produktbeschreibungen ab. Mit diesen Informationen will eBay einen Katalog erstellen, der dann von allen Verkäufern auf eBay genutzt werden kann. Dieses System erinnert sehr stark an die standardisierten Angebote von Amazon.

Diese Änderung der bisherigen Geschäftspraktik hat erhebliche Auswirkungen auf eBay-Händler:

Auswirkungen auf Händler mit selbsterstellten Produktbeschreibungen und Fotos

Wer sich in der Vergangenheit ein Portfolio von selbsterstellten Produktbeschreibungen und Fotos aufgebaut hat, steht – wenn eBay die Änderungen konsequent umsetzt – vor der Wahl:

1. Die Nutzungsrechte an diesen Inhalten werden sukzessive auf eBay übertragen.

2. Alternativ kann darauf verzichtet werden, Angebote mit selbsterstellten Inhalten einzustellen bzw. die Verkaufsplattform eBay zu nutzen.

Für viele Händler wird die zweite Alternative schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betracht kommen. Mithin wird ein Effekt eintreten, auf den eBay wohl offensichtlich spekuliert hat: Der Händler akzeptiert die Zusatzvereinbarung und eBay erhält viel Content für seinen Produktkatalog.

Auswirkungen auf Händler, die Produktbeschreibungen und Fotos von Herstellern beziehen

Doch auch für Händler, die ihre Produktbeschreibungen und Fotos hauptsächlich vom Hersteller beziehen, ist die neue Situation nicht einfach. Häufig wird dem Hersteller dem jeweiligen Verkäufer nicht das Recht eingeräumt haben, Nutzungsrechte an dem überlassenen Werbematerial auf Dritte zu übertragen. Denn mit dem Werbematerial soll der Verkauf gefördert werden. Eine Weiterlizenzierung von Texten oder Produktfotos an Dritte wird der Hersteller in der Regel nicht wollen und auch nicht als erforderlich ansehen. In der Konsequenz dürfte der eBay-Händler das betreffende Material nicht auf eBay nutzen. Hat er die Zusatzvereinbarung bereits akzeptiert und will er sich rechtskonform verhalten, bleiben ihm zwei Möglichkeiten: Zum einen kann er den Hersteller bitten, ihm die Erlaubnis zur Unterlizenzierung zu erteilen. Zum anderen kann er das Werbematerial selber erstellen, um die betreffenden Nutzungsrechte dann eBay einzuräumen. Das damit verbundene Dilemma wurde oben bereits beschrieben.

Keine Abmahnungen wegen Bildrechteverletzung auf eBay?

Schließlich sei noch auf einen letzten Aspekt hingewiesen: Sollte sich das oben beschriebene System durchsetzen, könnte man auf die Idee kommen, dass Abmahnungen wegen Bildrechtsverletzung auf eBay der Vergangenheit angehören. Das müsste zumindest dann gelten, wenn die Bilder aus dem Produktkatalog von eBay stammen. Doch leider ist diese Einschätzung nicht ganz zutreffend. So muss derjenige, der die Bilder in seinem Angebot verwendet, die Rechtekette bis zum Ursprung nachweisen können. Die „Zusatzvereinbarung zum eBay Nutzungsvertrag“ mag zwar eine Rechteübertragung des Händlers vorsehen, der die Produktbilder zum erstem Mal in ein Angebote eingestellt hat. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass der betreffende Händler auch das erforderliche Recht hatte, um eine solche Rechteübertragung zu vollziehen.

Fazit

Für eBay-Händler haben die genannten Änderungen teils dramatische Auswirkungen. Ob die aufgezeigten Nachteile wirklich durch einen eBay-Katalog, der das Erstellen von Angeboten vereinfachen soll, kompensiert werden kann, ist höchst fraglich. Es bleibt daher abzuwarten, ob eBay das neue System tatsächlich in dieser Form durchsetzen kann.



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